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DIN 18008 – Die neue Glasnorm

Expertin Frau Dr.-Ing Barbara Siebert

Expertenmeinung von Frau Dr.-Ing. Barbara Siebert

Von der Industrie- und Handelskammer öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Glasbau Nachweisberechtigte für Standsicherheit

 

Die Glasnorm DIN 18008 ist mittlerweile in Deutschland bauaufsichtlich eingeführt, die „alten“ technischen Regeln TRLV, TRAV und TRPV sind nicht mehr gültig. Die Norm gliedert sich in 7 Teile, Teil 1: Begriffe und allgemeine Grundlagen, Teil 2: Linienförmig gelagerte Verglasungen, Teil 3: Punktförmig gelagerte Verglasungen, Teil 4: Zusatzanforderungen an absturzsichernde Verglasungen, Teil 5: Zusatzanforderungen an begehbare Verglasungen, Teil 6: Zusatzanforderungen an zu instandhaltungsmaßnahmen betretbare Verglasungen (noch nicht eingeführt) und Teil 7: Sonderkonstruktionen (noch nicht fertiggestellt).
Die angebotenen Schulungen zur DIN 18008 sind regelmäßig ausgebucht, hier merkt man die große Verunsicherung in der „Glasbranche“.

Dabei ändert sich in der Praxis nur relativ wenig. Bereits zu Zeiten der Technischen Regeln war für alle Verglasungen, auf die eine Last wie z.B. Schnee-, Wind,- Holm- oder Klimalast wirkt, ein statischer Nachweis erforderlich. Diese grundlegende baurechtliche Anforderung wird es natürlich auch gemäß der DIN 18008 geben. Aussagen, die man derzeit leider vermehrt liest, dass aufgrund der DIN 18008 auf einmal eine statische Berechnung erforderlich ist, sind falsch. D.h. wer bislang keine statische Berechnung erstellt hat und sich stattdessen auf „Erfahrungswerte“ verlassen hat, hat es schon bislang „falsch gemacht“. Eine Statik muss auch in Zukunft von einer entsprechend ausgebildeten fachkundigen Person eigenverantwortlich erstellt werden.

Was ändert sich mit der DIN 18008:

  • Das Bemessungskonzept. Die Bemessung folgt– endlich – so wie bei anderen Baustoffen und passend zur Lastnorm dem Konzept der Teilsicherheitsfaktoren, was sich in neuen Nachweisgleichungen für den Bemessungswert des Widerstandes widerspiegelt.
  • Die Anzahl der zu untersuchenden Lastfälle wird - insbesondere bei Isolierglasscheiben mit Floatglas –deutlich größer. Eine Handrechnung war aber bereits nach den technischen Regeln unrealistisch.
  • Die 4-m Regel entfällt. Diese wurde in der Vergangenheit häufig falsch interpretiert, die 4-m Regel hat einen nicht automatisch davon befreit die Nachweise zu führen.
  • Glasdicken: Aufgrund der materialgerechteren Nachweisgleichungen wird Floatglas für einige Anwendungen tendenziell dicker ausgeführt werden müssen, vorgespanntes Glas tendenziell immer dünner. Dies hat einen Einfluss auf kleinformatige Fenster mit dem Standard-Aufbau von 3 x 4mm Float. Hier wird es – aufgrund der hohen Klimalasten im Scheibeninneren - in Zukunft noch etwas schwieriger als bisher sein die rechnerischen Nachweise erfüllen zu können.
  • Erweiterung begehbare Verglasungen (DIN 18008-5) und zu Reinigungszwecken betretbare Verglasungen (DIN 18008-6, derzeit noch nicht bauaufsichtlich eingeführt).
  • Bei den Punktgehaltenen Verglasungen (DIN 18008-3) und absturzsichernden Verglasungen (DIN 18008-4) gibt es Erweiterungen, wie beispielsweise Hilfestellungen für die Berechnungen sowie ein vereinfachtes Verfahren (Teil 3) und eine Erweiterung der Kategorien sowie Berücksichtigung des Kantenschutzes (Teil 4).


Die Möglichkeiten die Nachweise über eine AbZ, ein AbP und eine Typenstatik zu führen bestehen natürlich nach wie vor. Bereits bestehende Zulassungen und Prüfzeugnisse haben natürlich nach wie vor Gültigkeit, müssen natürlich bei der Verlängerung an die neue DIN 18008 angepasst werden. Hier kann es natürlich zu Änderungen kommen, einige AbPs in der Branche werden wohl auch nicht mehr verlängert werden können.

Was ändert sich für die Produkte von Pauli und Sohn:

Die Allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen, z.B. für Punkthalter und Vordächer wurden bereits auf Basis der DIN 18008 erstellt, ebenso wie die typengeprüfte statische Berechnung der Vordächer. Somit haben diese Zulassungen nicht nur aktuell Gültigkeit, sondern sind auch für die Zukunft ausgelegt, so dass hier auch langfristig keine Änderungen zu erwarten sind. Ebenso sieht es mit den Allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnissen aus. Diese sind natürlich alle konform der DIN 18008.

Neue statische Berechnungen, wie für die neue Ganzglasbrüstung, wurden natürlich gemäß DIN 18008 erstellt, viele bestehende statische Berechnungen wurden  bereits angepasst.
Somit ändert sich für den Anwender bei Verwendung der Produkte von Pauli und Sohn gar nichts, man kann aber gespannt sein was die nahe Zukunft auf Basis der DIN 18008 an Neuem bringen wird.
Zusammenfassend kann gesagt werden dass die DIN 18008 nur wenige Änderungen mit sich bringt, dafür aber viele Erweiterungen und Ergänzungen. Es kann gehofft werden dass durch die Norm einige in der Branche „aufwachen“ und wahrnehmen, dass Glas nicht nur ein Baustoff für Fensterverglasungen ist sondern im Konstruktiven Glasbau sehr anspruchsvolle Konstruktionen ermöglicht. Diese Konstruktionen müssen natürlich entsprechend der aktuellen Normenwerke geplant und nachgewiesen werden.
Produkte, für die bereits die Nachweise z.B. in Form einer Zulassung, eines Prüfzeugnisses oder einer (Typen)statik vorliegen, werden aus meiner Sicht zu Recht an Bedeutung gewinnen, da die neue DIN 18008 zumindest eine Sensibilisierung hinsichtlich der zu führenden Nachweise bewirkt hat.


Dr.-Ing. Barbara Siebert

Ingenieurbüro Dr. Siebert - Büro für Bauwesen
Gotthelfstr. 24 - 81677 München
Tel.    +49-89-924014-10
Fax.    +49-89-924014-19


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